Applikation

APPLIKATION
ODER
DIE ZELTMACHERKUNST

Die Applikationsarbeiten haben ihren Ursprung in der Zeltmacherkunst. Sie werden traditionell ausschließlich von Männern gestaltet und genäht. Zu den Festen, wie Hochzeit, Geburt, dem Großen Fest (Abraham will auf Gottes Befehl seinen Sohn opfern, da erscheint ihm der Erzengel Gabriel und bringt ein Schaf, damit er dieses opfert, an seines Sohnes statt.), Ramadan, sowie zur Totenfeier und zur Speisung der Bedürftigen, während des Ramadans, werden hohe Zelte errichtet, die innen und außen aus diesen Applikationarbeiten bestanden. Heute werden leider meist bedruckte Stoffe mit ählichen Motiven verwendet, jedoch weniger kunstvoll sind. Auf einfarbigen Untergrund wird das Ornament frei aufgezeichnet, dann werden die verschiedenfarbigen Stoffe zugeschnitten in die Formen geschnitten die sie in dem Ornament einnehmen und nun mit der Hand aufgenäht. Das Ornament ist immer geometrisch, rhythmisch und zentriert. Sein Ursprung entstammt dem Vegetabilen, also dem Lebendigen nach seiner ewigen Gesetzmäßigkeit, nicht nach seiner vergänglichen Erscheinungsform. Der Islam ist die Religion des Lebendigen, der Natur, sowie der Hingabe an die Einheit des Schöpfers. (Sure Die Kuh , Beginn des Verses der Thron: Allah ist der Lebendige, der Ewige, niemals ergreift ihn Schlaf oder Schlummer) Eine Gnade Allahs ist die fortwährende Erhaltung des Lebendigen in ausnahmslos jedem seiner Geschöpfe, und gleichzeitig die Möglichkeit durch die Rückkehr zur eigenen Natur, zur Einheit d.h. zum Ewigen sich zu erheben. Die Farbgebung der Zelte ist häufig kontrastreich, selten fehlt die Farbe weiß. So finden sich in den Farben, alle edlen und irrenden Möglichkeiten des Menschen und werden doch gleichzeitig durch die Formgebung des Ornamentes aus dem Licht und Schattensein der irdischen vergänglichen Welt zu dem Licht der ewig, lebendigen Einheit Allahs emporgehoben. In der Geometrie verbergen sich die Geheimnisse der Zahl, insbesondere der 4 und der 8. Nur kurz dazu: Die 4 beinhaltet den Menschen als höchste Schöpfung, in seinem Sein als Raumeswesen, das heißt als vergängliches Wesen, das sich durch seine Vernunftbegabung zum Ewigen erheben kann. Die 8 vereinigt den Gegensatz der männlichen und weiblichen Prizipien, sie bildet durch die Überwindung der Polarität, die Voraussetzung zur Glückseligkeit, die nur in der Einheit zu finden ist.

Siehe auch: Tentmakers of Cairo

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